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Nimm’s nicht persönlich! – So geht’s

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Wir Menschen neigen dazu, Vorfälle schnell persönlich zu nehmen.

Immerhin: Wir versuchen tagtäglich unser Bestes zu geben und handeln nach bestem Wissen und Gewissen.

Dann (unverschuldet) in Kritik-ähnliche Situationen zu geraten, kann schon sehr schmerzhaft sein. Da kann sich nicht jeder abgrenzen, vor allem, wenn man Herzblut in eine Sache steckt oder gesteckt hat und dann einstecken muss.

Wer hat nicht schon einmal die ein oder andere Sache persönlich genommen, wo das vielleicht gar nicht nötig war? Und wie können wir uns davon abgrenzen?

Wenn das Ego übernimmt

Ich gehöre zu den Menschen, die wirklich immer alles persönlich genommen haben. Und das war wirklich ein langer Weg und viel Arbeit, mein Denken zu ändern.

Und zu verstehen, dass Situationen einfach manchmal geschehen. Unabhängig von meiner Person. Und dass man dann manchmal alles abbekommt, weil man gerade da ist.

Zur falschen Zeit an der falschen Stelle.

nimm's nicht persönlich - so geht's-pinterest

Hier kommen ein paar Klassiker, vielleicht kommt dir das ein oder andere bekannt vor:

Unschuldig schuldig

Bis vor Kurzem begleitete ich Familien mit einem Sterbefall auf dem Weg des Abschieds. Eine meiner Aufgaben war auch die Korrespondenz mit den Ämtern.

In manchen Fällen fehlten Dokumente und ein Sterbefall konnte noch nicht beurkundet werden.

Und dreimal darfst du raten, wer den Ärger den Standesbeamten abbekam? Ich natürlich.

Das Schlimmste war für mich immer der Tonfall. Ich konnte und wollte nicht verstehen, dass man unfreundlich zu mir war, wo ich doch gar nichts dafür konnte. Ich war doch nur der zwischengeschaltete Dienstleister.

Es dauerte einige Zeit, bis ich begriff, dass es keine persönliche Sache gegen mich war, sondern eine rein geschäftliche Angelegenheit.

Die Mitarbeiter vom Standesamt ließen ihren Ärger an mir aus: Ich war immerhin die einzige Greifbare in dieser Situation.

Ein weiteres klassisches Beispiel passiert mir hin und wieder beim Autofahren.

Ich habe die lästige Angewohnheit, (Vorsicht, triefende Ironie folgt) Kreuzungen freizuhalten. Das heißt, ich bleibe auch manchmal bei Grün an einer Ampel stehen, wenn ich sonst auf der Kreuzung stehen würde. Das gefällt nicht jedem Autofahrer, der hinter mir fährt. Immerhin könnten sie selbst ja nicht mehr über die Grünphase kommen.

Also wird gehupt und mit Lichthupe auf mein „unangemessenes“ Verhalten aufmerksam gemacht.

So etwas quält mich bis heute, denn: Ich nehme das persönlich.

Dabei begehe ich gar keinen Fehler, sondern verhalte mich absolut korrekt. Andere tun das nicht und ärgern sich über mich – und machen ihrem Ärger Luft.

Ich glaube, solche Situationen kennst du bestimmt auch.

Wenn das Ego sich bemerkbar macht

Die meisten von uns nehmen solche Situationen persönlich. Wir fühlen uns verletzt, zurückgewiesen, beleidigt, betrogen, usw.

Ich neigte dazu, die Schuld den anderen in die Schuhe zu schieben: Ich glaubte dann, dass der Standesbeamte oder die Fahrerin hinter mir schuld sind, dass ich mich nun schlecht fühle.

Dabei sind sie gar nicht schuld daran.

Tatsächlich übernimmt mein Ego hier die Führung.

Denn wir erwarten, dass andere Rücksicht auf uns und unsere Gefühle nehmen.

Wir möchten nicht kritisiert werden, niemals. Wir möchten Anerkennung und wir möchten recht haben.
Immer.

Wenn mein Ego übernimmt, dann wird’s echt anstrengend.

Stattdessen wäre es besser, wenn ich die Dinge nicht persönlich nehmen würde. Denn so hätte niemand die Macht über meine Gefühle und mich. Ich wäre frei(er).

In dem Moment, in dem ich mich durch das Verhalten anderer Menschen angegriffen fühle, gebe ich ihnen Macht.
Macht über mich.

gefühle-verhalten-macht-persönlich nehmen

Ich möchte dir zwei Schritte zeigen, wie du Dinge künftig nicht mehr so persönlich nehmen musst:

1. Erkenne, dass es nicht um dich geht

Wenn du dich das nächste Mal angegriffen fühlst, dann frage dich doch einmal, warum diese Person gerade so handelt.

Bleiben wir einmal bei meinen Beispielen:

Der Standesbeamte rennt vielleicht schon den ganzen Tag fehlenden Unterlagen nach, hat vom Chef einen Einlauf bekommen, weil er zu viele Beurkundungen offen hat und nicht abschließen kann.

Und dann komme ich und erzähle ihm etwas über eine fehlende Urkunde, die aus dem Ausland besorgt wird. Und schwups, platzt dieser Person der Kragen und ich war zur falschen Zeit am falschen Ort.

Weder die Standesbeamtin noch ich können dafür etwas.

Mein drängelnder Autofahrer hinter mir hat vielleicht gerade einen Anruf bekommen, dass die Mutter mit einem Herzanfall ins Krankenhaus eingeliefert wurde und versucht nun auf dem schnellsten Weg ins Krankenhaus zu kommen. (Von Angst geschüttelt, nicht mehr rechtzeitig zu kommen.)

Wenn ich (lahme Schnecke!) dann vor ihm vor einer grünen Ampel stehe und nicht weiterfahre, dann bekomme ich berechtigterweise sein Hupen ab.

Perspektivenwechsel: Indem ich die Perspektive von der ICH-Perspektive abziehe und etwas erhöhe auf die WIR-Perspektive oder die Vogelperspektive (oder einfach Dinge sehe, die ich nicht weiß, aber die sein könnten), erhalte ich plötzlich ein Verständnis dafür, warum Menschen sich so verhalten, wie sie es tun.

Das fegt die negativen Gefühle davon.

Das funktioniert in jeder Situation:

Dein Sohn, der sich auf den Boden wirft und dich anschreit, dass du ein blöder Vater oder eine strenge Mutter bist, nur weil er ins Bett gehen soll … der meint das nicht persönlich. Er ist nur wütend, weil er nicht ins Bett will.

Indem du euch beide aus der Vogelperspektive betrachtest, bekommst du ein Verständnis und kannst entsprechend reagieren. (Hier findest du übrigens den dazu passenden Beitrag „Negative Gefühle bei Kindern“)

Mit dir hat das alles nichts zu tun.

Du kannst Situationen, in denen du dich persönlich angegriffen fühlst, nicht ändern.

Tatsächlich ist es also egal, wie du dich dabei fühlst: Die Situation bleibt die gleiche.

Du kannst jedoch deine Sichtweise auf die Situation verändern. Das wird sofort deine Gefühle verändern und du kannst dich den positiven Dingen zuwenden, anstatt an den negativen Dingen und den Selbstzweifeln hängenzubleiben.

Keiner sollte gegen Dinge ankämpfen, die er nicht beeinflussen kann.

Ob eine Sache eine persönliche Sache ist oder nicht, kannst du ganz leicht prüfen: Stelle dir vor, dass jemand anderes an deiner Stelle wäre:

Ich könnte der Polizeichef persönlich sein, die Person hinter mir hätte gehupt.

Ich könnte die Bundeskanzlerin inkognito sein, der Standesbeamte hätte seinen Ärger trotzdem an mir ausgelassen.

Du verstehst, worauf ich hinaus möchte: Es ist niemals gegen dich als Person gerichtet.

Versuche dir das immer vor Augen zu halten, wenn du das nächste Mal in eine Situation gerätst, in der du dich angegriffen fühlst.

Vielleicht hat die Person, die dich da angeht, nur einen schlechten Tag …

Diese Strategie erfordert etwas Übung (und Fantasie), macht aber großen Spaß und lohnt sich.

Und wenn sie nicht funktioniert, dann ist es Zeit, die zweite Strategie anzuwenden:

2. Hab ein wenig Mitgefühl mit dir und kommuniziere, wie du dich fühlst

Manchmal habe ich dennoch so meine Zweifel, ob nicht doch ich schuld an einer Situation habe.

Habe ich dem Standesbeamten vielleicht schon einmal Unterlagen versprochen und nicht eingereicht?

Fahre ich zu langsam? Oder ist die Kreuzung zu klein, um sie zu blockieren? Habe ich etwas übersehen?

Und wenn ich dann doch feststelle, dass ich vielleicht einen Fehler gemacht haben könnte, dann fühle ich mich schlecht. Denn wir machen alle nicht gerne Fehler.
Keiner tut das.

Keiner macht gerne Fehler

Dann wird es Zeit, dass du dir selbst eingestehst, dass du verletzt bist und dass du dich bemühst, alles richtigzumachen.

Oder Zeit, dass du einfach aussprichst, was du fühlst. Das ist so einfach und so wirksam.

„Herr Standesbeamte, ich verstehe, dass Sie sich ärgern. Aber Ihr Tonfall ist verletzend. Sagen Sie mir konkret, wie ich Ihnen helfen kann.“

So einfach. So wirksam.

Manchmal tut es gut, auszusprechen, wie man fühlt. Denn das reinigt die Luft.

Nicht selten entschuldigt sich das Gegenüber und erklärt sich. Und das ist vollkommen okay. Mit Verständnis kommt man noch immer am weitesten. Das ist zumindest meine Erfahrung.

Fazit: Nimm’s nicht persönlich

Vielleicht kannst du diese Strategien in nächster Zeit einmal ausprobieren.

Wenn du fleißig übst, dann wirst du zwar weiterhin Dinge persönlich nehmen, aber nur für wenige Sekunden. Denn du hast dann irgendwann gelernt

🌸 umzuschalten auf Vogelperspektive oder

🌸 dir selbst zu verzeihen und auszusprechen, was gerade in dir vorgeht.

Diese Eigenschaften sind sehr wertvoll. Sie steigern deine Lebensqualität und führen dich ein Stück weiter Richtung Positivität und Erfüllung.

Viel Spaß beim Ausprobieren.

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