Oskar und Lisa - eine ganz normale Freundschaft

Oskar und Lisa – eine Kindergeschichte zum Vorlesen

Eine Geschichte für Kinder zum Vorlesen.

Sie soll während der Corona-Krise Mut machen, dass auch schlimme Zeiten etwas Schönes bringen können.

Die Mut-Mach-Geschichte darf kostenlos heruntergeladen und geteilt werden.

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In dieser Geschichte geht es um einen ganz besonderen Jungen und um ein ganz besonderes Mädchen.

Und es geht um die Kraft der Freundschaft in schweren Zeiten.
Um eine ganz normale Freundschaft eben – oder doch nicht?

Die Idee, eine Geschichte für Kinder zum Vorlesen zu schreiben, hatte Levi (8). Es sollte eine ganz besondere Geschichte werden, die Kindern in der Corona-Zeit Mut schenkt.

Wir hoffen, dass wir damit ein bisschen Hoffnung und Freude in die Welt tragen dürfen.

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Wir freuen uns über selbst gemalte Bilder von Oskar und Lisa:
info@herzenspunsch.de

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Oskar und Lisa – eine ganz besondere Freundschaft

Mittwoch

Da gibt es diesen Jungen in der Nachbarschaft. Oskar. Seinen Nachnamen kenne ich nicht.
Ich weiß nur, dass Oskar ein Anführer ist. Alle tun, was er sagt.

Oskar geht in die 4b. Und das weiß ich, weil ich vor den Weihnachtsferien einen Streit vor unserem Haus mithörte. Ich wollte nicht lauschen. Aber die Kinder schrien so laut, dass ich nicht anders konnte, als alles zu hören.

Sie stritten sich über eine Mütze, die einer auf den Schuppen des Nachbarn geworfen hatte. Wem die Mütze gehörte und wer sie da rauf schleuderte, das weiß ich nicht. Ich hörte nur, wie ein Junge schrie: „Die coolsten Jungs gehen in die 4b, da gehörst du nicht dazu!“. Und jemand rief: „Nicht einmal Oskar kriegt die Mütze runter. Kommt, wir hauen ab!“

Diese Mütze, ich glaube, sie liegt noch da oben. Und heute ist der 1. April.

Eigentlich sollte ich froh sein, denn der Frühling ist da. Mutti sagt, es dauert nicht mehr lange, bis die Bäume grün werden und die Blumen blühen. Ein paar Blumen blühen schon.

Aber dieser Frühling ist anders.
Es ist der Frühling mit dem Corona-Virus – und vor dem habe ich große Angst.

Die Schulen sind zu und draußen spielt kein Kind mehr.
Ich sitze stundenlang an meinem Fenster und schaue raus. Ich mache das immer so, weil ich sonst mit meinem Rollstuhl nichts machen kann. Dieses Ding habe ich schon immer. Ich konnte noch nie gehen.

Die Ärzte sagen, dass man nie wissen kann, was in der Zukunft kommt. Und Mutti sagt, dass ich nicht aufgeben soll. Vielleicht gibt es irgendwann Heilung für mich. Solange, sagt Mutti, soll ich an meinen Träumen festhalten.

Mein Traum ist es, draußen mit den anderen Kindern zu spielen. Deshalb verbringe ich jeden Nachmittag an meinem Fenster und sehe den anderen Kindern beim Spielen zu. So lerne ich, wie Spielen geht: Verstecki, Fangi, Radfahren. Ein Junge aus der Nachbarschaft hat ein Skateboard, andere haben Roller. Einer sogar Inline-Skates.

Aber gerade kann ich nicht glauben, dass mein Traum in Erfüllung geht. Alle forschen bestimmt an einer Medizin gegen den Corona-Virus. Keiner hat jetzt Zeit, für mich zu forschen. Ich muss geduldig sein und die Stille draußen auf der Straße akzeptieren.

Ich weiß nicht was das heißt, akzeptieren, aber Vati sagt mir das immer wieder.

Und nicht einmal Oskar ist da draußen.

Donnerstag

Die Sonne scheint und ich bin für heute fertig mit den Schulaufgaben.

Ich kann nicht auf eine gewöhnliche Schule gehen, ich gehe auf eine besondere Schule. Auf eine, wo ein Mädchen in einem Rollstuhl etwas ganz Normales ist. Dort gibt es Rampen und Aufzüge.

Ich werde jeden Morgen von einem Fahrdienst abgeholt und hingebracht.
Mein Fahrer heißt Jörg und er sieht mit seinen rot-braunen Haaren und seiner gelben Mütze aus wie Bob der Baumeister. Er zieht sich sogar so an. Und Jörg ist lustig.
Er findet meinen Rollstuhl nicht schlimm. Er guckt mich deshalb nicht komisch an und sagt auch nichts dazu. Er tut, als wäre ein Rollstuhl ganz normal.
Mutti sagt, das sei so, weil er jeden Tag mit Rollstühlen zu tun hat.
„So ist das eben“, sagt Vati. „Wenn wir täglich mit etwas Besonderem zu tun haben, wird das Besondere irgendwann gewöhnlich.“

Ich weiß nicht, warum, aber es beruhigt mich. Es wäre schön, wenn Rollstühle für alle ganz normal wären.

Weil es schön warm ist, schlägt Mutti vor, dass ich rausgehe auf die Sonnenterrasse. Ich mag das eigentlich nicht. Ich will nicht, dass mich jemand mit dem Rollstuhl sieht. Aber es spielen immer noch keine Kinder draußen, also lasse ich mich überreden.

Mutti gibt mir das Tablet von Vati und schiebt mich raus. Ich sehe mich um: Keiner ist zu sehen, die Sonne scheint und es ist richtig warm. Die Bäume wehen leicht, aber sie haben noch keine Blätter.

Ich starte das Tablet und spiele mein Lieblingsspiel.

Das Telefon klingelt und Mutti steht auf.
„Ich bin gleich wieder da!“, sagt sie. Aber das stimmt nicht. Wenn das eine ihrer Freundinnen ist, dann telefoniert sie mindestens eine halbe Stunde. Mir ist das egal. Ich spiele weiter. Ich bin richtig gut heute und gewinne eine Runde nach der anderen.

„Hey!“, ruft jemand.
Ich schrecke von meinem Spiel auf. Ich schaue mich um, sehe aber niemanden.
„Hey, hier drüben!“, ruft wieder jemand.
Ich kenne die Stimme. Aber erst, als ich den Jungen nebenan auf dem Balkon entdecke, weiß ich, zu wem die Stimme gehört.
„Hallo!“, rufe ich zurück.
„Wie heißt du?“
„Lisa“, rufe ich ihm zu. „Und du?“ – natürlich kenne ich seinen Namen, aber er soll nicht wissen, dass ich ihn und seine Freunde beobachte. „Oskar“, sagt er. „Wohnst du schon lange hier?“
Ich zögere. Soll ich ihm sagen, dass ich mein ganzes Leben hier wohne? „Hmhm, eine Weile.“

„Komisch, ich habe dich noch nie gesehen. Gehst du auf unsere Schule?“ – ich bin erleichtert, dass er das fragt. Er hat meinen Rollstuhl bestimmt nicht bemerkt.
„Nein“, sage ich. „Ich gehe auf eine Schule in der Stadt.“

„Ach so“, sagt Oskar. Seine Mutter ruft ihm etwas aus der Wohnung zu. „Ich muss rein“, sagt er. „Bis bald!“
„Bis bald!“, rufe ich, aber da ist Oskar schon verschwunden.

Ein richtig cooler Anführer hat sich gerade mit mir unterhalten. Und er war sogar richtig nett. Ich bin überglücklich. So glücklich, wie sonst nur an Weihnachten.

Freitag

Ich musste den ganzen Donnerstagabend an die Unterhaltung mit Oskar denken: Es war einfach cool, mit einem Jungen aus der Nachbarschaft zu reden.

Ich wünsche mir, dass ich irgendwann mit ihm und den anderen Kindern rennen und toben kann. Natürlich erst, wenn die Ärzte mich geheilt haben. Was hoffentlich schnell geht. Es wird Zeit, dass der Corona-Virus wieder verschwindet.

Am Nachmittag sehe ich, wie Oskar draußen auf dem Balkon sitzt und mit dem Handy spielt. Ich frage Mutti, ob ich auf der Terrasse sitzen darf. Sie ist überrascht, willigt aber ein und versorgt mich mit Getränken und Keksen.
Ich sehe zu Oskar und hoffe, dass er mich entdeckt. Minutenlang kämpfe ich mit mir, weil ich mich nicht traue, ihm Hallo zu sagen.

Irgendwann überwinde ich mich doch: „Hey, was spielst du da?“
Oskar schaut auf. Und er grinst, als er mich sieht. „Brawl Stars“, sagt er. „Das spiele ich auch!“, rufe ich aus.
Und dann reden wir richtig lange über mein Lieblingsspiel. Ich bin sicher, dass er nur mit mir redet, weil er noch nicht weiß, dass ich im Rollstuhl sitze. Wir tauschen Handynummern aus und fügen uns im Spiel als Freunde hinzu. Vier Runden spielen wir zusammen. Dann hat er keine Lust mehr.
„Du bist gut!“, sagt er. Inzwischen ist er aufgestanden und lässt seine Arme an dem Geländer runter baumeln.
Ich lächle und bin stolz.
„Wie lange sitzt du denn schon in diesem Ding?“, will er wissen und macht eine Kopfbewegung zu meinem Rollstuhl.
Ich bin schockiert, dass er ihn doch bemerkt hat. „Schon immer“, sage ich und versuche cool zu bleiben.
Oskar geht nicht weiter darauf ein. Er beginnt mit seiner Mutter in der Wohnung zu reden. Dann dreht er sich noch mal zu mir um. „Sorry, ich muss rein. Meinen Hustensaft nehmen!“.
„Bist du krank?“, frage ich.
„Ja leider“, sagt Oskar. „Corona-Virus!“ Und nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: „Meine Mutter auch, sonst hat sich aber keiner aus der Familie angesteckt. Bis bald!“
„Ciao!“, sage ich und bin mir nicht sicher, ob er das überhaupt noch gehört hat.

Dass er den gefährlichen Corona-Virus hat, ist viel schlimmer als die Sache mit dem Rollstuhl, denke ich.

Am Abend bohre ich bei Mutti und Vati nach. Ich will alles über den Corona-Virus wissen.
Sie sagen, dass es ein Grippevirus ist und den meisten Menschen nichts
Schlimmes tut. Sie sagen, dass man sich nicht anstecken sollte, damit man es nicht weiter verbreitet. Und dass man besonders auf die älteren und kranken Menschen gut aufpassen muss.

Nach dem Gespräch bin ich beruhigt. Oskar wird also nicht sterben. Und nach der Quarantäne darf er draußen spielen. Zumindest, wenn es Angela Merkel erlaubt. Was noch ein bisschen dauern kann.

Montag

Der erste Tag der Osterferien.

Oskar ist der einzige Freund, den ich habe. Ob Oskar mich als eine Freundin betrachtet? Wir haben nur zweimal kurz geredet und ein paar Runden „Brawl Stars“ miteinander gespielt.

Ich habe ihn das ganze Wochenende nicht gesehen: Er war nicht online und nicht auf dem Balkon. Und ich war fast das ganze Wochenende auf der Terrasse, um ihn nicht zu verpassen.

Ich habe Angst, dass Oskar am Corona-Virus gestorben ist. Meine Eltern sagen, das sei Quatsch.

Ich bitte Mutti, rüberzugehen und zu klingeln. Sie sagt, da sei die Ansteckungsgefahr zu hoch.
Sie soll nur klingeln, sie muss nicht hinaufgehen, sage ich.
Aber Mutti bleibt hart. Sie behauptet, es sei nichts Schlimmes passiert und ich solle mich gedulden. Sobald es Oskar besser gehe, würde ich ihn wiedersehen.

Am liebsten will ich selbst rübergehen und klingeln. Aber das geht ja nicht.

Mittwoch

Ich habe aufgegeben: Ich sitze in meinem Rollstuhl am Fenster und starre raus auf die Straße.

Ich hasse den Corona-Virus.

Es geschieht nichts mehr, keine Kinder streiten sich da draußen. Seit sie von Zuhause aus arbeitet, ist Mutti total ruhig und immer gut gelaunt. Und das nervt mich.

Es fühlt sich an, als ob die Welt untergeht. Und wenn ich an den Corona-Virus denke, ist das noch schlimmer. Wenn ich dann rausschaue und diesen komischen Frieden sehe, dann ist es nicht wie ein Weltuntergang. Dann ist es so, als ob die Welt neu geboren wird. Ohne Stress und Hektik. Und ohne Streit und Geschrei.

Mutti kommt gut gelaunt in mein Zimmer – was mich noch wütender auf sie macht. Meine Laune ist schlecht, weil sie nicht rübergeht und bei Oskar klingelt.

„Da draußen möchte dich jemand sprechen!“, sagt sie und grinst mich an. So, als ob sie vorher schon wusste, dass das kommt.
Sofort bessert sich meine Laune und ich frage – völlig überflüssig: „Wer?“ Mutti verdreht die Augen und beobachtet mich, während ich mich mit dem Rollstuhl aus dem Zimmer hetze.

Draußen auf dem Balkon steht Oskar und winkt, als ich auf die Sonnenterrasse rolle.

„Hallo!“, sage ich. „Wie geht’s?“
„Gut“, sagt Oskar. „Der Husten ist fast ganz weg. Und mein Test war auch negativ.“
„Heißt das, du bist wieder gesund?“
„Klar!“, sagt Oskar.
Ich will wissen, was er die letzten Tage gemacht hat.
Er erzählt mir, dass er die Aufgaben für die Schule vernachlässigt habe und alles nachholen müsse. Seiner Mutter gehe es seit dem Wochenende besser und sie könne ihm nun endlich wieder helfen.

Wir verabreden uns, um am Abend „Brawl Stars“ zu spielen. Ich freue mich, weil ich glaube, dass es sich genau so anfühlt, wenn man Freunde hat.

Wir spielen sieben Runden im Team und gewinnen fast jede davon. Auf WhatsApp schreibt Oskar mir noch eine Nachricht: „Bis morgen!“

Ich freue mich, denn: Endlich habe ich jemanden in meinem Alter gefunden, der nicht im Rollstuhl sitzt. Einer, der auf eine öffentliche Schule geht. Ein Anführer. Ich habe einen ganz normalen Freund, denke ich stolz.

Donnerstag

Oskar und ich verbringen den Nachmittag zusammen: Er auf seinem Balkon, ich auf unserer Dachterrasse.

Inzwischen weiß ich, dass er sich in Quarantäne zu Tode langweilt. Dass sein Onkel ihm und seiner Mutter die Einkäufe vor die Tür stellt. Und dass er es nicht erwarten kann, bis seine Mutter wieder ganz gesund ist.

„Dann geht hoffentlich alles normal weiter!“, sage ich.
„Ob alles wieder normal wird?“ Oskar lacht. „Egal“, sagt er. „Hauptsache wir dürfen in die Schule!“
„Stimmt, dann kannst du auch wieder auf den Spielplatz gehen!“
„Klar!“, sagt er. „Und du kannst mitkommen!“
„Das geht nicht!“, sagte ich.
„Na klar geht das!“, sagt Oskar. „Wir schieben dich auch durch das Gras und helfen dir auf die Schaukel. Du wirst schon sehen, dass das geht!“

Ich muss daran denken, was meine Eltern immer sagen: Gib nicht auf! Du kannst schaffen, was du willst.

Aber ich habe noch nie darüber nachgedacht, dass sich vielleicht auch mit dem Rollstuhl mein Traum erfüllt.
Und mir gefällt der Gedanke so sehr, dass mein Herz dabei richtig schnell klopft.

„Na gut“, sage ich. „Wir können es versuchen! Aber das wird nicht leicht!“ Oskar lacht. „Wenn du das denkst!“
„Was soll ich sonst denken? Ich sitze in einem Rollstuhl!“
„Denke doch einfach, dass es leicht ist. Dann ist es auch leicht!“

Dann erzählt mir Oskar, dass er einmal null Fehler im Rechnen haben wollte. Weil sein Onkel ihm dafür 20 Euro versprochen hatte. Und dass ihm alle seine Freunde sagten, dass er das nie schaffen würde, weil es zu schwer wäre. Aber seine Mutter sagte ihm, es sei nur deshalb schwer, weil er das selbst glaubte.

Also sagte er sich immer wieder, dass es leicht sei einen Test mit null Fehlern zu schaffen.
Und so schaffte er es dann auch.
Von den 20 Euro kaufte er sich dann eine Figur in „Brawl Stars“.

Kurz darauf geht Oskar rein. Ich denke noch lange darüber nach, ob es wirklich immer so einfach ist.

Ein Sonntag im September 2020

Inzwischen ist der Sommer vorbei. Draußen ist es nicht mehr heiß. Aber die Bäume haben noch alle Blätter.

Wir waren das erste Mal nicht im Sommerurlaub. Wegen des Corona-Virus. Das war nicht schlimm, ich wollte diesen Sommer sowieso nicht in den Urlaub fahren.

Seit dem Frühling, als alle geschockt waren wegen des Corona-Virus, hat sich viel verändert:
Mutti ist entspannter. Sie arbeitet jetzt nur noch von Zuhause. Auch Vati ist öfter daheim.

Die Nachbarn sind alle viel netter zueinander. Einer brachte uns sogar Zucchini aus seinem Garten.

Mutti sagt, das liege daran, dass alle wieder raus dürfen. Und dass alle wieder Kontakt zueinander haben dürfen. Da genießen die Menschen alles viel mehr: das Essen und das Zusammensein.
Sie sagt, was jetzt nur noch zählt, ist Menschlichkeit, Liebe und Gemüse. Vati lacht deshalb immer. Ich glaube, er lacht wegen der Sache mit dem Gemüse, ich bin aber nicht sicher.

Jeder hat mehr Zeit und ist entspannter. Ich hoffe, dass sich alle noch lange daran erinnern, wie es damals in der Corona-Krise war. Denn seitdem ist alles anders. Alles ist irgendwie besser.

Alina erzählte mir, wie die Schüler in der Klasse 4b mit der Klassenlehrerin darüber diskutierten, warum keine Kinder mit Rollstühlen die Schule besuchen dürfen. Frau Vogel versprach, mit der Rektorin zu sprechen. Aber man müsse viel umbauen.
Trotzdem freute ich mich darüber. Das heißt, dass meine Freunde gerne mit mir zur Schule gehen möchten. Obwohl ich in einem Rollstuhl sitze.
Und Oskar hatte recht: Er und seine Freunde schafften es, mich auf die Schaukel zu heben. Leon schubste mich an, während Oskar neben mir schaukelte.
Wir schlossen eine Wette ab, wer höher kommt.

Oskar gewann natürlich.
Wir machen oft Wettrennen mit den Fahrrädern. Einer schiebt mich vor sich her, während ich mit den Armen mithelfe.
Als Vati das einmal sah, fand er das überhaupt nicht gut.
Jetzt gehen wir ein paar Straßen weiter und machen es dort.

Wir machten einmal auch ein Picknick auf einer Wiese. Als wir mit dem Rollstuhl nicht weiter kamen, weil das Gras zu hoch war, trugen mich meine Freunde abwechselnd auf dem Rücken.
Am Anfang wussten natürlich alle noch nicht, wie sie mit mir reden oder wie sie mich behandeln sollten. Nach ein paar Tagen war das weg: Sie berührten meinen Rollstuhl und halfen mir, die steilen Hügel hinaufzukommen.
Und es ist, wie meine Eltern immer sagten: Wenn man etwas Besonderes jeden Tag hat, ist es irgendwann nichts Besonderes mehr. Sondern ganz normal. Für die Kinder aus unserer Umgebung bin ich jetzt ganz normal.

Ich bin traurig, dass der Corona-Virus viele Menschen unglücklich machte. Aber ich bin dankbar, was sich durch den Virus für mich verändert hat. In mein Tagebuch habe ich geschrieben: „Meine Eltern haben jetzt mehr Zeit. Und mein Traum hat sich erfüllt: Ich habe viele Freunde gefunden. Ich hatte den schönsten Sommer meines Lebens.“

© Nadine Schadt | April 2020 | www.herzenspunsch.de

Idee: Levi Ginterreiter (8)

Wir freuen uns über selbst gemalte Bilder von Oskar und Lisa: info@herzenspunsch.de